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Mai 23, 2005
Unterschichten-TV macht Karriere
Ein Gespenst nistet in Deutschlands Betonwüsten. Es kriegt
überdurchschnittlich viele Kinder mit stets wechselnden Partnern, aber außer
einer Busfahrt zum Sozialamt nichts auf die Reihe. Man erkennt es an seiner profunden
Kenntnis über Handy-Klingeltöne, Piercing-Methoden, Arschgeweihe und
Unterschichten-TV. Letzteres gerät immer mehr in Kritik. So stellt „Der Spiegel“
in seiner aktuellen Ausgabe die Frage „Wer ist Proll?“. Diese Frage ist
durchaus berechtigt, denn der Begriff „Unterschichtenfernsehen“ macht Karriere,
nicht nur als heißer Anwärter auf den Titel „Unwort des Jahres 2005“.
Die quotengesteuerten TV-Manager sind in der Zwickmühle und haben oft keine andere Wahl: Proll-Programme a la Big Brother, Neun Live oder Burgpinkler-Reality-Soaps haben Erfolg! Auch wenn damit vor allem die fünf Millionen Arbeitslosen erreicht werden. Diese besitzen wohl kaum die Kaufkraft, die sich die Werbewirtschaft wünscht. Die arbeitende Gesellschaft sieht ohnehin deutlich weniger fern und möchte sich nach einem stressigen Arbeitstag sicher nicht den Grausamkeiten des Bodensatzes hingeben. Doch was sollen die Sender nun tun? Entweder weiterhin Proll-TV für relativ viele Zuschauer, die sich die Produkte aus der Werbung nicht wirklich leisten können oder Premium-TV für die wenigen Spitzenverdiener. Da ist es mehr als verständlich, dass die Werbetreibenden nicht gerade begeistert sind.
Mai 23, 2005 in Dies & Das | Permalink
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Kommentare
Bigbrotherteilnehmer gehören ins Gefängnis
Kommentiert von: bloggnjus | 24.05.2005 15:03:13

