Sprachprozesse laufen
in verschiedenen Hirn-Arealen ab. Diese Regionen haben unterschiedlichste
Aufgaben und bleiben meist im Hintergrund, um die Effizienz der Wahrnehmung zu
gewährleisten. Hier entscheidet sich, was wichtig ist und was nicht: Möchte man
die Aufmerksamkeit seines Lesers haben, gilt es einiges zu beachten!
Bis vor wenigen Jahren gab es für die Gehirnforschung nur
zwei Bereiche, in denen sich die Sprache abspielte: Das Wernicke- und das Broca-Areal.
Während in dem einen Areal die Sprache „verstanden“ wird, „produziert“ das andere
dieselbe. Wörter allerdings werden nicht in diesen Arealen gespeichert! Laut
neuesten Untersuchungen sind noch mehr Areale in den Sprachprozess eingebunden.
Die Lage hat sich demnach als komplexer herausgestellt, als bis dahin
angenommen.
Insgesamt lässt sich aber gut merken: Die linke Hälfte des
Gehirns verarbeitet Wörter und Grammatik, während sich der rechte Teil um
Sprachmelodie, Ton und Klang kümmert.
Emotionen durch Worte
Wörter und Sprache werden in verschiedenen Bereichen des
Gehirns gespeichert und verarbeitet. Das bietet gute Ansätze für die Wirkung
von Worten – vor allem in Bezug auf die Funktionen der Sprache:
Klarheit durch Worte: Bei bildhaften
Worten wird mehr Anschaulichkeit erreicht. Abstrakte Begriffe rufen zumeist
keine Bilder hervor.
Worte und Emotionen: Emotionen haben
unter Anderem die wichtige Aufgabe, schnelles Handeln auszulösen – etwa um
Gefahr abzuwenden. Bildhafte und emotionale Sprache ist deshalb besonders
stark.
Bewegende Worte: In den Text integrierte Handlungen oder Bewegungsabläufe
bleiben nicht ohne Reaktion: Wird bei einem Wort der Gehirnbereich für Motorik
aktiv, so ist auch hier ein Mehr an Aufmerksamkeit gesichert.
Den Leser aktivieren
Hier nun ein kleiner rhetorischer Versuch. Lesen Sie zunächst
die zwei folgenden Sätze:
Wie Sie Ihre Leser
erreichen:
Verwenden Sie
aktivierende Sprache!
Wie Sie Ihre Leser
erreichen:
Verwenden Sie die
Tigersprache!
Welcher Satz erweckt bei Ihnen mehr Aufmerksamkeit? Zunächst
wurde der abstrakte Begriff „aktivierende Sprache“ verwendet. Hier gibt es
nichts Beunruhigendes, die Alarmglocken bleiben stumm. Die zweite Phrase jedoch
spricht einen ganz anderen Teil des Gehirns an: Hier ist die Rede von der
„Tigersprache“. Ein Tiger bedeutet mögliche Gefahr und dabei darf nicht lange
überlegt werden. Die Aufmerksamkeit ist gewiss!
Die richtige Dosierung ist wichtig, um Ihrem Text an
bedeutsamen Stellen die gewünschte Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Deshalb
zu guter Letzt für Sie noch eine Rangfolge für die Wirkung von Worten:
- Stärkste Wirkung:
Bildhafte Worte und Wendungen, die starke Emotionen auslösen. - Starke Wirkung:
Bildhafte Worte und Wendungen, die weniger emotional sind, aber Handlungen
oder Bewegungen im weitesten Sinne auslösen. - Gute Wirkung:
Bildhafte Worte und Wendungen. - Kaum Wirkung:
Abstrakte Begriffe und wenig bildhafte Worte und Wendungen.
(Rangfolge nach Häusel, Hans-Georg, Brain Script, Haufe
2005)
Mit diesen Anregungen möchte ich Ihnen nun viel Erfolg für
Ihren nächsten Text wünschen. Wenn Sie daran Gefallen gefunden haben, möchte
ich Ihnen das Buch zum Beitrag ans Herz legen: Stefan Gottschlings „Lexikon der Wortwelten“ gibt
einen ausführlichen und praktischen Einblick in die unterschiedlichsten bildhaften
Wörter und Wendungen. Das So-geht’s-Buch für bildhaftes Schreiben.




